Die wichtigste Lebenszutat

Vor mehr als 15 Jahren hatte ich eine Erkenntnis, die meine Sicht auf das Leben grundlegend veränderte. Während ich durch Berlin spazierte, hörte ich in einem Podcast einen Satz, der sich tief in mein Bewusstsein einbrannte. Es war der Hirnforscher Gerald Hüther, der sinngemäß sagte: "Am Ende unseres Lebens wird nur noch eines von Bedeutung sein: die Beziehung zu anderen Menschen."

Da stand ich nun, mitten am Tag in Wilmersdorf, und fragte mich: Wenn das der Kern des Lebens ist, was bedeutet das für mich? Das hatte ja einen konkreten Einfluss auf mein zukünftiges Denken und Verhalten. Vieles wird unbedeutsam, und ich weiß seitdem, was zentral für mein Leben ist.

Was am Ende wirklich zählt

Am Sterbebett werden wir vermutlich nicht darüber nachdenken, ob wir ein schnelles Auto vor der Tür hatten, schicke Kleidung im Schrank oder außergewöhnliche Reisen unternommen haben. Es sind nicht die wertvollen Besitztümer, der angesehene Job oder die extravaganten Hobbys, die in den letzten Momenten unseres Lebens von Bedeutung sind. Vielmehr sind es die Menschen, die uns umgeben, unsere Familien, Freunde und geliebten Personen, die unser Leben wirklich bereichern.

Wer wird an deinem Sterbebett sein? Wer wird um dich herumstehen? Welche Gesichter kommen dir in den Sinn?

Es sind die Menschen, mit denen du dein Leben geteilt hast, die Erinnerungen geschaffen haben und mit denen du durch Höhen und Tiefen gegangen bist. Diese Gedanken führen weiter zu der Frage: Wie kümmern wir uns um unsere Beziehungen im Hier und Jetzt? Es ist essenziell, den Wert menschlicher Beziehungen zu erkennen und aktiv zu fördern. Häufig fallen wir der Hektik unseres Alltags zum Opfer und verlieren dabei aus den Augen, wie bedeutend es ist, Zeit mit den Menschen zu verbringen, die uns lieb und teuer sind. Ob Familie, Freunde, Kollegen oder Bekannte: Die Qualität dieser Beziehungen beeinflusst unser Wohlbefinden und unsere Lebenszufriedenheit. Auch die Sinnforscherin Tatjana Schnell zählt Zugehörigkeit zu den zentralen Qualitäten eines sinnerfüllten Lebens, dazu mehr in Sinn finden, empfangen oder geben?.

Der Kern der Positiven Psychologie

Christopher Peterson, einer der Mitbegründer der Positiven Psychologie, fasste sein ganzes Forschungsfeld einmal in drei Worten zusammen: "Other people matter." Andere Menschen zählen.

Diese Erkenntnis deckt sich mit der Harvard-Studie zur Erwachsenenentwicklung, der am längsten laufenden Langzeitstudie zum menschlichen Glück, seit 2016 geleitet von Robert Waldinger. Sein zentrales Ergebnis lässt sich auf eine kurze Formel bringen: Gute Beziehungen machen uns gesünder und zufriedener, deutlicher als Geld, Ruhm oder berufliche Leistung allein. Unser soziales Umfeld kann uns schon zu Lebzeiten als wichtiger Puffer gegen Stress dienen.

Wer tiefer einsteigen möchte: Waldinger hat die Erkenntnisse aus der Studie gemeinsam mit Marc Schulz in dem Buch "The Good Life … und wie es gelingen kann: Erkenntnisse aus der weltweit längsten Studie über ein erfülltes Leben" zusammengefasst, auch als Hörbuch erhältlich.

Wenn wir uns darauf konzentrieren, echte Verbindungen aufzubauen und zu pflegen, schaffen wir ein Fundament für ein erfülltes Dasein. Es sind die gemeinsamen Erlebnisse, das Lachen und auch die Tränen, die unser Leben bereichern.

Wie wir unsere Beziehungen im Alltag stärken

Vielleicht fragst du dich jetzt, was du ganz konkret tun kannst, um deine Beziehungen zu pflegen. Hier sind einige praktische Wege:

  • Investiere Zeit: Plane regelmäßige Treffen mit Freunden oder Familie ein und zeige echtes Interesse an ihrem Leben.
  • Melde dich: Gute Freunde freuen sich über deine Nachrichten. Kontaktiere sie lieber einmal zu oft als zu selten. Das kann ein Video-Call, ein Anruf oder auch ein Brief sein.
  • Führe gute Gespräche: Das bedeutet vor allem, aufmerksam zuzuhören, so wie ich es in Zuhören wie Momobeschrieben habe.
  • Schaffe gemeinsame Erlebnisse: Ob bei einem Spaziergang, einem gemeinsamen Essen oder einem Kinobesuch, teile schöne Momente miteinander.
  • Zeige Dankbarkeit: Lass die Menschen um dich herum wissen, wie viel sie dir bedeuten. Ein einfaches "Danke" kann viel bewirken. Manchmal genügt auch eine kurze Nachricht wie "Ich musste gerade an dich denken".
  • Sei großzügig: Mit deiner Zeit, deiner Fürsorge, deinem Lob und gelegentlich auch mit kleinen oder großen Geschenken.
  • Lache viel: Schaffe eine entspannte Atmosphäre beim Zusammensein und nimm dich selbst nicht immer zu ernst.
  • Entschuldige dich: Übernimm die Verantwortung für eine fehlgeschlagene Kommunikation, ein Missverständnis oder einen Konflikt und halte nicht stur an deiner Sichtweise fest.
  • Verzeihe: Lass alte Kränkungen nicht zwischen euch stehen. Was du nicht loslässt, trägst du in jedes nächste Gespräch mit hinein.

Birgit Berndt, Diplom-Psychologin und Coach für Sinn, Identität und psychologischen Reichtum

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